16.04.2021 I Bereich: Haustiere

Wir brauchen nicht noch mehr Hunde I Warnung für Facebook Gruppen

Allein in Deutschland gibt es etwa 10,5 Millionen Hunde. Das ergibt in etwa auf acht Personen einen Vierbeiner. Damit ist dieses Haustier das Zweitbeliebteste nach der Katze.
Insbesondere während der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach dem vierbeinigen Wegbegleiter gestiegen. Wir haben uns nach diversen erschreckenden Beobachtungen der letzten Monate im Internet und auf sozialen Netzwerken (allen voran in Facebook Gruppen) mit der Frage beschäftigt: Worauf man bei der Anschaffung eines Hundes unbedingt achten sollte.

Der Wunschhund mit Abstammung

Viele Leute verlieben sich in eine bestimmte Rasse und hätten am Liebsten einen Vierbeiner, der genau diese rassetypischen Merkmale aufweist. Sie suchen dann im Internet nach genau so einem Hund und werden schnell fündig. Zuerst vielleicht sogar bei seriösen Züchtern. Diese haben aber meist lange Wartelisten oder verkaufen die Welpen nur gegen einen stolzen Preis. Da der Mensch aber dennoch nicht auf seinen Wunschhund verzichten möchte, wird er weiter suchen und evtl. auf Facebook-Gruppen oder Kleinanzeigen-Portale stoßen, die ihm genau diesen süßen Wunschwelpen, sogar gegen kleineres Entgelt, versprechen. Überglücklich wird dann an den Anbieter geschrieben und ein Termin vereinbart. Bei den kleinen Hunden vor Ort stellt sich dann oftmals Ernüchterung ein. Die Welpen sind sehr klein und wirken noch nicht so, als ob es schon an der Zeit gewesen wäre, sie von ihrer Mutter zu trennen. Das Muttertier selbst ist auch oftmals nicht anzutreffen und bei Nachfragen werden höchstens Bilder gezeigt und die Interessenten vertröstet. Aber das Haus, in dem die kleinen Welpen leben, sieht ja gepflegt aus und die Besitzer der Welpen wirken freundlich und tierlieb. Die Ansprechpartnerin aus der Facebook Gruppe schien eine “normale Hausfrau” zu sein, die es sicherlich nur gut mit ihren Tieren meint.

Sehr viele dieser Interessenten sind bestimmt große Hundeliebhaber, haben vielleicht sogar im Gefühl, dass etwas mit den kleinen Vierbeinern nicht stimmt. Aber wer einmal einen kleinen Welpen auf dem Arm hatte, weiß, dass man den tapsigen Pfoten und den süßen Augen nicht lange standhalten kann. Kurzerhand wird also das Geld übergeben, nicht weiter nachgefragt, woher das Tier eigentlich kommt und Vertröstungen bzgl. einer Begutachtung der Hündin mit zwei zugekniffenen Augen hingenommen.

Vielen ist leider nicht bewusst, dass oben beschriebenes Prozedere häufig für illegalen Welpenhandel genutzt wird. Dort werden die Vierbeiner oftmals – in Osteuropa gezüchtet – nach Deutschland gebracht und dort von scheinbar vertrauenswürdigen Familien weiterverkauft. Leider sind viele der Welpen krank und unterernährt. Die Muttermilch, die ein Welpe mindestens acht Wochen bekommen sollte, fehlt ihm, wodurch es zu Fehlentwicklungen und psychischen Störungen kommen kann, die später zu Verhaltensauffälligkeiten, Problemen und der Entstation Tierheim führt. Aus diesem Grund ist es immer angebracht die Herkunft bei Erwerb eines Hundes genau zu prüfen, um nicht den illegalen Welpenhandel zu unterstützen.

Hobbyzüchter auf eBay Kleinanzeigen und in Facebook-Gruppen

Neben dem seit Jahren bekannte illegalen Welpenhandel, bei welchem kleine Welpen über die Grenzen nach Deutschland geschmuggelt werden, gibt es aber mehr und mehr (eigentlich ebenso illegale) Hobbyzüchter in Deutschland vor Ort. Oftmals werden die jungen Tiere über Facebook-Gruppen oder eBay Kleinanzeigen verkauft. Harmlos sehen die Posts und Anzeigen zunächst aus, teilweise werden Einzeltiere angeboten. “Hund abzugeben” auch oftmals unter dem Vorwand, dass sich die Lebenssituation verändert hat, eine Allergie besteht, der Hund nicht mit dem Baby klar kommt oder ähnlich. In privaten Chats werden dann Preise verhandelt. Der Verkauf von kleinen Hundewelpen stellt für viele, eher einkommensschwache Personen wohl eine interessante Verdienstmöglichkeit dar. Nehmen wir einmal an, sie halten sich an alle Regeln und agieren zum Wohl der Tiere, bleibt doch die Tatsache, dass immer mehr und mehr Hunde geboren werden, die Tiere in Tierheimen kein neues Zuhause finden und jeder einzelne Hunde den Klimawandel vorantreibt sowie das Welthungerproblem begünstigt. An dieser Stelle kommen wir nun nochmal zu unserer Aussage aus der Überschrift zurück: “Wir brauchen nicht noch mehr Hunde”. Gleiches gilt übrigens auch für Katzen, bei welchen wir die selbe Vorgehensweise (teils noch viel massiver, da unkomplizierter und kostengünster in der Zucht) finden. Unser Appell: Bitte uterstützt so etwas mit eurem Verhalten und eurem Kauf nicht.

Ein Hund aus dem Tierheim. Eine gute Alternative?

Obwohl viele der Vierbeiner im Tierheim bereits ausgewachsen und somit nicht mehr so “süß” und “tapsig” aussehen, lohnt sich ein Blick. Viele der Vierbeiner in Tierheimen warten oft jahrelang sehnsüchtig auf ein neues Zuhause. Im Gegensatz zu den Junghunden, sind diese auch oftmals schon in der Hundeschule gewesen und bereits erzogen. Meist sogar im Tierheim selbst. Mitarbeiter des Tierheims können den Interessenten auch eine genaue Auskunft über die Charaktereigenschaften eines Hundes und ggfs. sogar seiner Vorgeschichte geben. So können sich die künftigen Hundebesitzer ein gutes Bild von ihrem neuen Familienmitglied machen und auf einer ganz anderen Grundlage entscheiden. Viele der Hunde in Tierheimen sind gut sozialisiert und können sich ohne Probleme verschiedenen Familiensituationen anpassen.

Ein weiterer Vorteil von Mischlingen, was die Vierbeiner aus dem Tierheim oftmals sind, ist die schwächere Anfälligkeit für Erbkrankheiten. Viele Rassehunde leiden unter verschiedenen züchtungsbedingten Krankheiten: ein prominentes Beispiel dafür ist der abfallende Rücken beim Schäferhund, der vielmals zu starken Schmerzen im Alter führt. Mit solchen Problemen hat ein Mischlingshund selten zu kämpfen.
Das bedeutet: auch wenn man einen seriösen Züchter gefunden hat, ist man nicht zwingend vor diesen Problemen gefeit. Außerdem gibt es bereits so viele Hunde, die auf ein liebevolles Zuhause warten. Man sollte mit seinem Geld nicht die Zucht von immer mehr Vierbeinern unterstützen.

Vielleicht regt dieser Text den einen oder anderen dazu an, dem nächst gelegenem Tierheim einen Besuch abzustatten, statt eine (Qual)zucht zu unterstützen. Außerdem entgeht man so der Gefahr (vielleicht sogar unwissend) den illegalen Welpenhandel mitzufinanzieren.


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