14.03.2019 I Bereich: Allgemein

Über Dogmen und Parolen extremer Tierrechtler vs. Geduld, Mut und Kreativität

Beim Betrachten leidender Nutztiere in Tiertransportern, Ställen oder im Schlachthaus steigen mir Tränen in die Augen und mein Magen dreht sich um. Wenn ich Menschen sehe, die mit Echtpelz an ihren Winterjacken oder sonstigen Kleidungsstücken herumlaufen, verspüre ich Wut. Und wenn ich die Massen an Menschen sehe, die wahl- und hirnlos in Plastik verpackte tierische Produkte kaufen und verzehren, frage ich mich, wo das alles hinführen soll und ob es jemals besser werden wird.
Ja, es steht außer Frage, dass die meisten Menschen mit Tieren als unsere „Dienstleister“ nicht richtig umgehen. Dass Tiere von Menschen ausgebeutet und respektlos behandelt werden. Dass es Millionen von Tiere weltweit gibt, die durch Menschenhand leiden.

Allerdings glaube ich fest daran, dass es besser werden kann. Dass es aber viel Zeit brauchen wird. Zeit, Geduld, Mut und Kreativität. Massentierhaltung, Tiertransporte, der immer weiter wachsende Konsum tierischer Produkte ist nicht von heute auf morgen entstanden. So können wir auch nicht erwarten, dass von heute auf morgen der Verbrauch plötzlich abbricht, jeder einen größtenteils veganen Lebensstil pflegt und nur noch wenige, glückliche Tiere auf den Tellern der Menschen landen. Dieser extreme Bruch wäre auch unmöglich durchführbar und hätte für die Umwelt fatale Konsequenzen. Daher ist ein stetiger Wandel in die richtige Richtung wichtig.

Dogmen und Parolen extremer Tierrechtler helfen den Tieren auch nicht
Dabei helfen allerdings keine sich immer wiederholenden Dogmen, die einen absolut veganen Lebensstil predigen. Extreme Tierrechtler und Organisationen, die ständig verurteilen, Kompromisse kategorisch ausschließen und deren Parolen nur Schwarz-Weiß kennen. Die zum Millionsten Mal grausame Videos gequälter Tiere veröffentlichen und täglich mit immer den gleichen Aufrufen, Aussagen und Hashtags ihre Social Media Accounts bestücken. Doch die, die sich bereits als Fans, Anhänger, Follower oder Abonnenten dieser Kanäle bezeichnen, kennen die Thesen und Meinungen, leben vielleicht schon vegan und kümmern sich um das Tierwohl. Die Beiträge der Organisationen werden dann auch von genau diesen Menschen geliked und kommentiert. Natürlich sollen diese Posts etwas erreichen, doch meiner Meinung nach entsteht insbesondere Wut, Aggression, vielleicht Hass, auf jeden Fall zwei gespaltene Fraktionen: „die guten Veganer und die bösen Fleischfresser.“ Zumindest aus der Sicht extremer Tierrechtler.

Was Geduld, Mut und Kreativität erreichen kann
Doch das hilft den Tieren auch nicht. Wir brauchen Menschen, die aufstehen, den Mut aufbringen und andere Mitmenschen in ihrem persönlichen Umfeld auf ihr Konsumverhalten ansprechen, erklären und mit viel Geduld zum Umdenken bewegen. Hierzu benötigt es auch Kreativität. Es gilt, gute Alternativen für die entsprechende Lebenssituation zu liefern. Kinder an die Hand zu nehmen und zu zeigen, es geht auch anders. Anders, nicht trierisch, vielleicht vegan, schmeckt und ist auch gut. Das funktioniert zum Beispiel durch Vorleben. Das funktioniert durch Erzählen. Durch beiläufiges Erwähnen. Durch mutiges kundtun seiner Meinung. Ohne dem anderen etwas aufzuzwingen oder ihn zu verurteilen.

Ob man unbedingt Verständnis aufbringen sollte oder kann, wenn man auf Menschen trifft, deren eigenes Wohl über allem steht, die aus egoistischen Gründen nicht bereit sind für die Tiere und die Umwelt ab und an zu verzichten und die, trotzdem sie über das notwendige Wissen verfügen, einfach ignorant so weiter machen wie bisher – zu Lasten der Tiere und zur Umwelt. Nein, nicht wirklich. Aber nicht alle sind so. Die meisten haben ein gutes Herz und ein Hirn, das verstehen kann, lernen will. Diese Menschen brauchen gütige Vorbilder, geduldige Überzeuger und kreative Macher, die mutig voranschreiten und etwas bewegen wollen.

In diesem Sinne #loveisall