7.09.2022 I Bereich: Bauernhoftiere, Tiere allgemein

Wie schlimm ist ein Blackout für Nutztiere?

Ein kurzfristiger Stromausfall war die letzten Jahre eher selten, doch mittlerweile – in der aktuellen Energiekrise 2022 – wird nicht mehr nur von kurzzeitigen Unterbrechungen der Stromversorgung gesprochen, sondern gleich von ganzen Blackouts.

Was ist ein Blackout genau?

Unter einem Blackout versteht man den großflächigen Ausfall von Strom, der über mehrere Stunden bis hin zu mehreren Tagen andauern kann. Es kann sogar passieren, dass der Strom für 10 bis 14 Tage über ein großes Gebiet hinweg – möglicherweise ganz Deutschland oder über mehrere Länder verteilt – ausfällt. Wenn man anfängt einmal darüber nachzudenken, was alles heutzutage mit Strom funktioniert, wird schnell klar, das könnte zu nie da gewesenen, großen Problemen führen. Beginnend mit unterschiedlichsten Lichtquellen, die nicht mehr funktionieren, Kochplatten, Kühlschränken, Backöfen, Wasserpumpen (z. B. für die Toiletten- oder Trinkwasserversorgung aus dem Wasserhahn), Aufzügen, Beatmungsgeräten, Garagentoren, dem Internet etc. Wenn in solchen Situationen der Fernseher nicht mehr funktioniert oder der Handyakku leer ist, erscheint dies in Anbetracht der genannten Aspekte noch als relativ geringes Übel. Doch es gibt auch an Bereiche, an die kaum jemand denkt.

Ein Blackout für Nutztiere ist tragisch

Gerade in Massentierhaltungs-Betrieben kommen unglaublich viele elektrische Helfer und Roboter zum Einsatz. Die wenigsten landwirtschaftlichen Betriebe verfügen über Notstromaggregatoren; und selbst wenn, könnten diese nur eine kurze Dauer überbrücken. Ein Blackout von 10 bis 14 Tagen ist kaum machbar. Doch warum genau und für welche Tiere wäre ein Blackout besonders tragisch?

Milchkühe: Zahlreiche Milchkühe werden mit elektrisch betriebenen Melkrobotern ein- oder zweimal pro Tag gemolken. Da die Tiere Hochleistungsmaschinen sind (was ja bewusst die letzten Jahrzehnte so gezüchtet wurde) und unglaublich viel Milch produzieren, sind sie darauf angewiesen, dass sie regelmäßig gemolken werden. Andernfalls müssen die armen Tiere höllische Schmerzen durch die prall gefüllten Euter erleiden. Es kann sogar dazu führen, dass die Euter platzen, denn die Milchproduktion wird nicht einfach so gestoppt, wenn das Euter voll ist.

 

Ferkel: Viele kleine Ferkel liegen in den ersten Wochen unter elektischen Rotlicht-Lampen, die sie wärmen. Es ist tatsächlich so, dass sie aufgrund der Missstände in großen Massentierhaltungs-Betrieben auf diese Lampen angewiesen sind. Und so unglaublich es sich auch anhört, aber ohne die Wärme der Lampen, würde die kleinen Schweinchen erfrieren und sterben. Denn die Mama liegt zwar daneben, ist aber in ihrem Kastenstand gefangen und kann ihre Babies nicht wärmen. Auch das kann bei einem Blackout passieren.

 

Schweine & Geflügel: In Massentierhaltungs-Betrieben werden die Tiere ja genötigt, ihr ganzes Leben in Hallen ohne wirkliche Frischluft auszuharren. Aufgrund der großen Anzahl der Tiere, entsteht unglaublich viel CO2; die verbrauchte Luft wird regelmäßig von großen Lüftungsanlagen abgesaugt und frische Luft hinein gepumpt. Auch diese Lüftungsanlagen funktionieren elektrisch. Sollten die Hallen nicht über Fenster oder mehrere Öffnungen verfügen, die man notfalls aufmachen könnte, werden die Tiere elendig ersticken.

Gibt es Hilfe für die Tiere bei einem Blackout?

Es gibt für Landwirte, auch wenn deren Bauernhof nicht unbedingt ein typischer Massentierhaltungsbetrieb ist, bei einem länger anhaltenden Blackout nur eine Lösung. Manpower!

Wer also bei einem Stromausfall tatsächlich etwas Nützliches machen will (vielen wird sowieso die Decke auf den Kopf fallen ohne Fernseher, Instagram, WhatsApp & Co.), sollte beim nächst gelegenen Landwirt vorbei schauen und fragen, ob Hilfe benötigt wird. Das Melken von Kühen ist einfach und kann von jedem binnen sehr kurzer Zeit erlernt werden. Auch kann sicher jeder dazu beitragen, schnelle, unkomplizierte und kreative Lösungen für mangelnde Wärme oder fehlende Lüftung zu finden und diese dann auch praktisch umzusetzen.

Das Wichtigste bei einem länger anhaltenden Blackout ist gegenseitige Hilfe, Rücksichtnahmen, umsichtiges Handeln, Solidarität und Hilfsbereitschaft. Wenn ein ganzes Land keinen Strom mehr hat, wird von staatlicher Seite nicht die Möglichkeit bestehen, dass Hilfe von der Bundeswehr, Polizei oder Feuerwehr kommt. Beziehungsweise werden diese Institutionen erst einmal die notwendigsten Maßnahmen erledigen, z. B. die Sicherung von Gefängnissen, Banken, Stabilisierung von Krankenhäuser und ähnlich.


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