13.05.2021 I Bereich: Umwelt

Soja und die Auswirkungen auf den Klimawandel

Die Sojabohne – eine Pflanze, welche die Welt verändert hat, insbesondere in den vergangenen 70 Jahren. Durch sie erst ist es möglich, die menschliche Ernährung so zu gestalten, wie sie heute ist. Ein wesentlicher Teil dieser sind zwischenzeitlich tierische Eiweiss; eine fatale Entwicklung, die weitreichende Folgen hat.

Wie viel Soja wird jährlich, weltweit angebaut und wofür wird es benötigt?

Die jährliche globale Erntemenge von Soja belief sich im Zeitraum 2020/2021 nach Schätzungen auf über 360 Millionen Tonnen, die auf 127 Millionen Hektar angebaut wird. Den Hauptanteil der Sojaproduktion tragen die beiden Industrienationen USA und Brasilien, gefolgt von Argentinien, China und Indien. Die Pflanze gehört zu den meistgenutzten Kulturpflanzen weltweit. Insbesondere für den Anbau von Futtermitteln spielt die Leguminose eine gewichtige Rolle. Nach wissenschaftlichen Schätzungen werden etwa 80 % des angebauten Sojas zu Schrot bzw. Mehl verarbeitet, das in den Sektor der industriellen Landwirtschaft geht. Der weitaus größte Teil der Sojaernte wird zur Nahrungsversorgung von Nutztieren wie Geflügel, Schweinen, Fischen und Rindern verwendet, da es sich bei der Sojabohne um ein proteinreiches und wachstumsförderndes Lebensmittel handelt. Der restliche Anteil fließt hauptsächlich in die Verarbeitung zu Sojaöl sowie Tofu, Sojamilch, Tempeh und anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln. Ein noch relativ geringer Prozentsatz der jährlichen weltweiten Sojaernte wird für die industrielle Produktion von Biodiesel sowie anderen Stoffen verwendet.

Weshalb werden immer noch jedes Jahr gigantische Flächen Regenwald für den Anbau von Soja gerodet?

Soja ist für die Aufzucht von vielen Nutztieren wie Geflügel in der industriellen Landwirtschaft essenziell. Der weltweit steigende Bedarf an Fleisch durch Kaufkraftsteigerungen in Schwellen- und Entwicklungsländern führt zu einer vermehrten Nachfrage nach preiswerten Futtermitteln und damit auch nach weiteren Anbauflächen. Die Sojabohne zählt zu den klassischen Cash Crops. Sie erfordert nur wenige Mitarbeiter, welche die Anbauflächen betreuen und lässt sich effizient im industriellen Maßstab vermehren. Der Markt wird dabei von einigen wenigen Agrarunternehmen beherrscht, die das begehrte Futtermittel weltweit exportieren. In Brasilien werden daher neben dem benötigten Platz für Rinderfarmen auch für Anbausteigerungen der Sojabohne Regenwaldflächen gerodet. Dieser Prozess verursacht nicht nur allgemeine Umweltprobleme, sondern trägt auch maßgeblich zum Klimawandel bei.

Gibt es alternative Futtermittel für Tiere zu Soja?

Tatsächlich gibt es für die Aufzucht von Tieren zahlreiche heimische Alternativen, die in der regionalen Landwirtschaft bereits seit vielen Jahrzehnten Verwendung finden. Zu den proteinreichsten Futtermitteln zählen Rapsschrot, Sonnenblumenschrot als auch verschiedene Leguminosen wie Luzerne, Klee, Ackerbohnen, Lupinen oder Erbsen. Aufgrund ihrer klimatischen Anpassung an hiesige Böden und gesicherter landwirtschaftlicher Erfahrung im Anbau eignen sich diese Pflanzen als alternative Futtermittel.

Wie hängt die Produktion von Soja mit dem Klimawandel zusammen?

Der Regenwald erfüllt für das Weltklima eine wichtige Funktion. Aus Sicht von Experten spielt er eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung des Klimawandels. Er bindet gigantische Mengen an Tonnen von Kohlenstoffdioxid (CO2) in seinen Bäumen und setzt Sauerstoff frei. Darüber hinaus wirkt der tropische Regenwald aufgrund seiner großen Wolkendecke, die Feuchtigkeit speichert und Sonnenabstrahlung zurückhält, auch kühlend auf die Erde. Durch die für Sojaproduktion abgeholzten Regenwaldflächen wird jedoch im großen Maßstab in der Pflanzenmasse gebundenes CO2 freigesetzt. Das so entweichende Kohlenstoffdioxid setzt sich in der Atmosphäre fest und hält die Wärmeabstrahlung der Erde an den Weltraum zurück. Dies führt zu einer weit über den natürlichen Treibhauseffekt hinausgehenden Wärmespeicherung, zu einem Anstieg der globalen Temperatur und damit auch zum Klimawandel. Wegen der weltweiten Nachfrage nach Sojaschrot werden zusätzliche Regenwaldflächen abgeholzt, wodurch ehemals tropische Waldflächen langfristig zu Savannen werden. Damit geht auch die Speicherfunktion der „grünen Lunge“ verloren und der Klimawandel nimmt an Fahrt auf.

Was kann man als Verbraucher tun, um dem entgegenzuwirken?

Durch einen bewussten Konsum können Verbraucher dazu beitragen, die Nachfrage nach der industriellen Sojaproduktion zu senken und damit auch dem Klimawandel entgegenzutreten. Da tierische Produkte aus Massentierhaltung maßgeblich mit dem Anbau der Pflanze zusammenhängen, ist eine Reduktion des Fleischkonsums empfehlenswert. Mögliche pflanzliche Alternativen aus der Sojabohne wie Tofu tragen nicht zur Abholzung des Regenwaldes bei, da die Bohnen für diese zumeist aus dem europäischen Raum stammen. Bei der Auswahl von Lebensmitteln wie Fleisch ist es zudem sinnvoll, auf eine regionale oder biologische Herkunft zu achten. Insbesondere im ökologischen Landbau nehmen klassische Futtermittel für die Aufzucht von Tieren gegenüber industriellem Sojaschrot oder -mehl eine weitaus größere Rolle ein.


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