Heumi’s Bio-Hof
Iglinger Straße 48
86857 Hurlach

Tel: +49 (0)172 890 059 0
vroni-und-stefan@t-online.de
www.heumi.de

10.5.2021 I Regional, Bauernhoftiere

Richtig Regional: Heumi‘s Bio-Hof Hurlach

„Heumi – weil bio einfach leckerer ist!“ Das ist der Leitsatz von Vroni und Stefan Wild, die seit 2006 Heumi’s Bio-Hof in Hurlach bei Landsberg am Lech bewirtschaften. Der Bio-Heumilchbetrieb hat sich dem Verband für ökologischen Landbau und gesunde Ernährung Biokreis e. V. angeschlossen. Aber was heißt eigentlich bio? Lebensmittel, die das Bio-Siegel der EU tragen, werden nach strengen und kontrollierten gesetzlichen Auflagen ökologisch erzeugt und verarbeitet. Die Richtlinien von Biokreis gehen über die gesetzlichen Regelungen der EU hinaus, aber das machen Vroni und Stefan Wild gern, denn das Wohl ihrer Tiere liegt ihnen am Herzen.

Welche Tiere leben auf dem Hof?

Auf dem Hof leben Hühner und Rinder, davon 60 Milchkühe und deren Nachzucht (inklusive der männlichen Rinder).

Die Rassen der Hoftiere

Bei den Rindern handelt es sich um das sogenannte Fleckvieh, das als Zweinutzungsrasse sehr geschätzt wird. Zweinutzungsrasse bedeutet, dass die Rinder sowohl zur Milchproduktion als auch zur Fleischproduktion genutzt werden können. Die Rinder werden dabei nach Geschlecht selektiert: Weibliche Rinder (Kühe) erzeugen Milch, männliche Rinder dienen der Fleischgewinnung. Auch bei den Hühnern auf dem Heumi-Hof findet keine Trennung mehr zwischen Legerassen und Mastrassen statt, diese sind ebenfalls Zweinutzungsrassen. Das Zweinutzungshuhn ist sowohl ein guter Eierleger als auch Fleischlieferant. Die männlichen Küken von reinen Legehybridhühner werden in der Regel getötet, da sie keinen weiteren Nutzen mehr haben. Durch die Zweinutzungsrasse wird das verhindert. Der Heumi-Hof macht also das, was heutzutage noch eine Ausnahme ist: Jeder Hahn wird aufgezogen, kein männliches Küken muss sterben! Man spricht von der Bruderhahn Initiative. Diese Hühner legen dann zwar weniger Eier als reine Legerassen und ergeben weniger Fleisch als reine Mastrassen, aber das ist es Vroni und Stefan Wild wert, denn der Respekt vor dem Leben ist ihnen wichtiger als Profit.

Wie werden die Tiere gehalten?

Die Rinder leben in einer gemischten Herde auf einer Weide oder einer Alm im Allgäu. Besonderheit des Heumi-Bio-Hofs ist die muttergebundene Kälberaufzucht, das heißt, sobald das Kälbchen da ist und die Kuh Milch gibt, ziehen die beiden in einen großen Laufstall, die „Mutter-Kind-Station“, in der sie mindestens drei Monate gemeinsam bleiben. Die Kühe entscheiden in dem großen Laufstall selbst, wann sie gemolken werden möchten, da sie eigenständig in den Melkstand gehen können und gleichzeitig können die Kälber, wann immer sie wollen bei der Mutter Milch trinken. Zwischen vier und acht Wochen nach der Geburt werden die männlichen Kälbchen unter Narkose im Stall kastriert. Nach den drei Monaten kommt das Jungrind in die Jungrinderherde und bei guter Entwicklung und Gesundheit darf es auf die Weide oder eine Alm im Allgäu umziehen. Die Hühner auf dem Heumi-Bio-Hof leben in einer Herde wunderschön zusammen: Es gibt einen Freilauf mit Spielplatz, Sonne, Schatten, sandige Bereiche und frisches Gras.

Mit welchem Futter werden die Tiere gefüttert?

Es kommt noch besser: Das Futter der Tiere wird auf dem Heumi-Hof selbst angebaut. Während der Vegetationszeit fressen die Rinder frisches Gras. Im Winter werden sie zusätzlich noch mit getrocknetem Gras (Heu), Grummet (Heu ab dem zweiten Schnitt der Wiese) und Kraftfutter aus Getreide- und Eiweißpflanzen gefüttert, das individuell auf die Bedürfnisse der Rinder angepasst ist und über einen Chip gesteuert wird, den jedes Rind am Halsband trägt. Durch diese Ernährung entsteht die leckere Heumilch!

Über die Schlachtung der Tiere

Wie bereits erwähnt, werden die Hühner und Rinder auch für die Fleischproduktion genutzt. Die Hühner werden, sobald sie gesund und kräftig entwickelt sind, vom Bio-Schlachthof Götzfried geschlachtet, der sich auf Geflügel spezialisiert hat. Die Schlachtung der Rinder verläuft auf eine Art und Weise, wie man es jedem Rind nur wünschen kann: Die Rinder sind den Transport durch den Weidenwechsel oder Umzug in den Stall gewöhnt. Sie werden nicht mit Gewalt verladen und empfinden keine Angst. Die Schlachttransporte werden von keiner fremden Person getätigt, sondern immer von Stefan Wild, dem Chef, und noch dazu im eigenen Hänger. Auf dem Bio-Schlachthof angekommen, der nur wenige und Einzelschlachtungen vornimmt, führt Stefan Wild den Ochsen aus dem Hänger in den Bereich, in dem die Schlachtung abläuft. Immer noch hat der Ochse keine Angst, eher Neugier, und die Schlachtung läuft so schnell von statten, dass der Ochse noch nicht einmal die Zeit hat, mit dem Auge zu zucken. Anschließend hängt das geschossene Rind eine Woche ab, nach dem Zerlegen weitere zwei Wochen. Danach wird das Fleisch zu Wurst weiterverarbeitet oder direkt in Form von Braten, Steak etc. verkauft. Das ganze Rind wird verwertet!

Impressionen vom Heumi-Hof

Verkauf der eigenen Produkte

Der Heumi-Hof besitzt eine eigene Käserei, in der die frische Heumilch zu Käse, Quark, Joghurt und Eis weiterverarbeitet wird. In einem kleinen Laden auf dem Hof stehen drei Automaten, in denen alles verkauft wird, was sie selbst produziert, angebaut, geerntet und verarbeitet haben. Dazu gehören neben der Heumilch und den Produkten aus der Käserei, auch Kartoffeln, Eier, Fleisch, Wurst und einiges mehr. Darüber hinaus kann man ihr selbst gemachtes Eis im Sommer auch am Badesee-Kiosk in Obermeitingen kaufen!
Hauptprodukt auf dem Heumi-Hof ist allerdings die frische, unbehandelte Heumilch, die man an einem der Automaten selbst zapfen kann. Heumilch hat im Vergleich zur Standardmilch im Übrigen mehr Omega-3-Fettsäuren und konjugierte Linolsäuren (CLA).

Was ist noch besonders am Heumi-Hof?

Nicht nur Lebensmittel und Tierfutter werden selbst hergestellt, auf dem Heumi-Hof befindet sich auch eine eigene Biogasanlage, mit der Strom und Wärme für den gesamten Hof (Haus, Stall, Werkstatt, Käserei, Laden, Trocknungsanlage für Heu- und Hackschnitzel) produziert wird. Was nach der Stromgewinnung noch übrig bleibt, verwenden sie als Dünger.


Autorin: Jasmina Sendić


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