28.10.2019 I Bereich: Wildtiere

Tigerpopulation in Indien weiter angestiegen

Der Bestand an wilden Tigern in Indien ist in vier Jahren um mehr als 30% gestiegen, was Hoffnungen auf das Überleben der bedrohten Art weckt.

Eine Zählung der Tiere ergab, dass es zwischenzeitlich 2.967 Tiger gibt; vor rund vier Jahren waren es noch 2.226. Der Premierminister Narendra Modi nannte die Zahlen eine “historische Errungenschaft” und sagte, Indien sei einer der größten und sichersten Lebensräume für Tiger auf der ganzen Welt.

Regelmäßige Zählung der Tiger

Die umfassende Zählung wird alle vier Jahre durchgeführt und basiert auf Informationen, die von Wildtierbeamten auf einer Fläche von 146.000 Quadratmeilen (380.000 Quadratkilometern) gesammelt werden. Es stützt sich auch auf Daten, die aus fast 350.000 Bildern stammen, die von 26.000 Kamerafallen in bekannten Tigerhabitaten aufgenommen wurden.

Laut Modi stieg die Zahl der Schutzgebiete im vergangenen Jahr von 692 im Jahr 2014 auf 860 Stück, eine durchaus positive Entwicklung. Die Zahl der Gemeinschaftsreservate hat sich ebenfalls mehr als verdoppelt.

1900 durchstreiften mehr als 100.000 Tiger den Planeten, doch bis 2010 war die Zahl auf ein Rekordtief von 3.200 gefallen. Der Rückgang veranlasste Indien und zwölf andere Länder in denen Tiger leben, ein Abkommen zu unterzeichnen, um ihre Zahl bis 2022 zu verdoppeln. Modi meitn dazu, Indien habe dieses Ziel vier Jahre früher als geplant erreicht.

Mehr Tiger, Zahlen sind vielversprechend

Naturschutzexperten sagen, der Anstieg der Tigerpopulation sei vielversprechend, die Zahlen sollten jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Neha Sinha, eine Naturschützerin, meint dazu, die Tigerzählung könnte darauf hindeuten, dass sich mehr Tiger konzentriert in Schutzgebieten fortpflanzen. Jedoch könnten diese Zahlen auch ein besorgniserregendes Anzeichen dafür sein, dass sich die Tiere nicht richtig ausbreiten und ihr eigenes Territorium finden können. „Jeder erwachsene Tiger muss sein eigenes Territorium anlegen, und dieses Territorium ist manchmal fast 200 km² groß. Die Tiere benötigen demnach sehr viel Platz.”, meint Neha.

Lebensräume für Tiger werden geringer

Lebensräume für Tiger werden jedoch zunehmend von Entwicklungsprojekten wie Straßen, Kanälen und Eisenbahnen in Mitleidenschaft gezogen. Konflikte zwischen Menschen und Tigern sind laut Naturschützern auch weiterhin eine Bedrohung. Die Feindseligkeit gegenüber Tigern vor allem bei der indischen Landbevölkerung kommt daher, dass die Tiger Menschen angreifen und auch Nutztiere wie bsp. Rinder. Dies wiederum hat zur Folge, dass viele Gemeinden Gift sprühen oder die Tiger angreifen. Die indischen Behörden reagieren glücklicherweise darauf: Letzte Woche verhaftete die Polizei vier Personen in Uttar Pradesh, nachdem eine Gruppe von Dorfbewohnern einen Tiger zu Tode geprügelt hatte. Der Tiger hatte Menschen angegriffen, er kam aus dem Tigerreservat von Pilibhit. Laut Regierungsangaben töten Tiger oder Elefanten im Durchschnitt eine Person pro Tag.

Sinha sagt dazu, die Sorgen der Bewohner in den kleinen Dörfern sollten Ernst genommen werden, der Staat sollte eine Entschädigung zahlen, wenn Tiger Vieh töten. „Der Tigerschutz sollte nicht den Ärmsten zum Verhängnis werden.“