30.04.2021 I Bereich: Bauernhoftiere, Umwelt

Kuhmist – vom Naturdünger zum Umweltproblem

Kuhmist wird von vielen Menschen mit einem dampfenden Misthaufen und ökologisch wertvollem Dünger in Verbindung gebracht. Doch das ist nicht mehr so. Kuhdung ist weltweit zu einem massiven Abfall- und Umweltproblem geworden.

Die Erde erstickt im Kuhmist

Dass Methan aus dem Kuhdarm ein Problem für die Atmosphäre ist, ist bekannt. Doch nicht nur das Verdauungsgas, sondern auch der Mist der Kühe und Rinder ist ein massives Problem. Weltweit fallen jedes Jahr 300 Milliarden Liter Gülle aus der Tiermast an. Der größte Teil davon entfällt auf die Rinderzucht. Gleich danach kommen Schweine und Geflügel. In der Europäischen Union sind es rund 1,27 Milliarden Tonnen jährlich. Auf Deutschland entfallen davon mehr als 200 Millionen Tonnen, Tendenz steigend.

Früher landeten die Hinterlassenschaften von Nutztieren auf dem Misthaufen. Dort lagerten die Exkremente für einige Monate und wurden dann im biologischen Kreislauf als Dünger auf Felder und Wiesen ausgebracht. Heute haben die meisten Mastbetriebe weder Stroheinstreu für die Tiere, noch einen Misthaufen. Stattdessen fallen Urin und Kot der Tiere als Flüssiggülle an, die sofort auf den Stallungen abgepumpt und verwertet werden muss. Die Menge produzierter Gülle übersteigt inzwischen das Fassungsvermögen der Natur. Schuld daran sind der stetig zunehmende Konsum von tierischen Produkten wie Milch, Fleisch und die unnatürliche Massentierhaltung allgemein.

Als Folge zeigen sich massive Überdüngungen der Felder sowie einseitige Nährstoffüberschüsse der Erde und der Gewässer.

Die Natur kann den Mist nicht mehr umsetzen

Normalerweise verarbeiten Mikroorganismen in der Erde den Kuhdung zu Erde und Nährstoffen. Gülle liefert u.a.

• Stickstoff
• Phosphat
• Kalium
• Magnesium
• und weitere Spurennährelemente.

Neben dem Problem der Überdüngung gelangen mit der Gülle andere Stoffe in die Umwelt, die Schaden anrichten:

• Antibiotika sowie
• multiresistente Keime aus der Massentierhaltung.

Die Überdüngung führt vielerorts zu einer dramatischen Zunahme der Nitratgehalte im Erdreich und im Grundwasser. Wasserwerke müssen jetzt schon wesentlich mehr Aufwand aufbringen, um die unerwünschten Stoffe aus dem Trinkwasser zu filtern. Neben der zunehmenden Umweltverschmutzung und Zerstörung fruchtbarer Erde droht auch eine Verteuerung des Trinkwassers.

Was kann jeder Einzelne dafür tun, Kuhdung zu reduzieren?

Nicht jeder muss gleich zum Vegetarier und Veganer werden. Den eigenen Fleischkonsum einmal kritisch zu überdenken, ist ein willkommener Anfang. Muss es wirklich täglich Fleisch sein und muss es die (große) verzehrte Menge sein? Von kleineren Fleischportionen und mehr Gemüsebeilagen profitiert auch der menschliche Organismus. Ähnlich sieht es bei der Milch und Milchprodukten aus. Kuhmilch steht immer wieder in der Kritik. Sie soll bei weitem nicht so gesund für den menschlichen Organismus sein, wie lange behauptet wurde. Inzwischen gibt es viele gesunde Alternativen zur Kuhmilch. Darunter Pflanzenmilch wie Hafermilch oder Reismilch.

Bei Lederprodukten wie Kleidung, Schuhen, Taschen, Geldbörsen, Gürteln und sind Verbraucher ebenfalls dazu aufgerufen, den eigenen Konsum kritisch zu überdenken. Produkte aus Naturfasern wie Baumwolle, Hanf, Bambus oder Naturkautschuk sind genauso attraktiv und langlebig.

Welche Lösungsansätze gibt es generell für das Problem Kuhdung?

Die Regierungen dieser Welt und Umweltschützer machen sich schon seit einigen Jahren Gedanken, wie mit dem Mistproblem zu verfahren sei. Sie stellen Gelder für die Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Forschern aus Deutschland, Belgien, Spanien, Österreich und den Niederlanden arbeiten in der Gemeinschaft „ManureEcoMine“ derzeit an gewinnbringenden Nutzungskonzepten für Kuhdung. Die Ideen sehen unter anderem vor, Mastbetriebe mit Mini-Kraftwerken auf Kuhdungbasis auszustatten.

Andere Projekte wollen in den Betrieben das Wasser aus der Gülle zu Tränkwasser für die Tiere aufbereiten.Daneben hat die Bundesregierung strenge Grenzen für die Ausbringung von Gülle ins Freiland erlassen, um die Stickstoffüberschüsse und Nitratbildung einzudämmen.

In den Niederladen hat eine Künstlerin und Designerin das Material „Mestic“ erfunden. Jalila Essaïdis Unternehmen BioArt Laboratories ist es gelungen, Kuhmist in Biokunststoff, Biopapier und Biotextilien umzuwandeln. Die Mode aus Mist präsentierte sie zum ersten Mal im Jahr 2016. Durchgesetzt hat sich der Trend bisher aber nicht.

Im Großen und Ganzen wäre es erfreulich, wenn sich die Landwirtschaft zu einer Natürlichkeit mit geschlossenen Biokreisläufen zurückentwickeln würde. Bioland- und Demeterhöfe leben diese Konzepte in der Gegenwart bereits vor.


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