22.07.2021 I Bereich: Bauernhoftiere

Heilige Kuh – Kulturen, die Kühe verehren

Das Leben der Menschen mit hinduistischem Glauben ist von verschiedenen Ritualen geprägt. Diese Rituale, Opfer und Gaben bestimmen oft ihren Alltag. Dabei gelten Kühe als unantastbar, als heilig. Allerdings ist das nicht nur bei den Hindus Gesetz.

Kleine Geschichte des Rinderkults

Die Ursprünge des Kults um die heiligen Kühe liegt bereits in der vedischen Zeit von 1.500 v. Chr. bis 500 v. Chr. Zu dieser Zeit wurden in Indien die Grundlagen für die Entwicklung des Hinduismus gelegt. Weil Milch und Dung als Gaben der Rinder das Leben der Menschen erst ermöglichte, entwickelte sich die Vorstellung, dass die Kuh einerseits die Mutter Erde verkörpert und andererseits sogar der mythische Sitz der Götter ist.

Der Kult um das Hausrind ist allerdings noch wesentlich älter: Seit Rinder als Zugtiere und Nahrungslieferanten domestiziert worden waren, avancierten sie auch zu Bestandteilen der verschiedenen Religionen. So fanden Wissenschaftler Spuren von Rinderkult in Süddeutschland und Österreich, Priester opferten im Mittelmeerraum und im Nahen Osten den Göttern das Fleisch von Kühen und auch in der vorrömischen Eisenzeit galten Stiere als heilig. Dieser Kult war u. a. auch auf dem Gebiet des minoischen Kreta, der iberischen Halbinsel und Südfrankreichs verbreitet. So soll er beispielsweise Ursprung des Namens Italien sein (von „vituli“ für „Söhne des Stiergottes“ oder „Jungstiere“), auch Stierkämpfe gehen darauf zurück.

Religiös verehrt wurde die Kuh auch im alten Ägypten und selbst zu sakralen Zwecken waren Schlachtungen von Rindern tabu. Denn die Menschen betrachteten den Himmel als riesige nahrungsspendende Kuh, die fest auf der Erde stand.

Einige Eindrücke von “heiligen Kühen”

Wo Kühe heute heilig sind

Heute gibt es weltweit etwa eine Milliarde Hindus, verbreitet ist der Glaube überwiegend auf dem indischen Subkontinent. Hinduistische Religionsgruppen gibt es zudem beispielsweise auch in Nepal, Indonesien, Sri Lanka, Malaysia, Bangladesch und darüber hinaus in allen Teilen der Welt.

Hindus glauben nicht an den einen Gott, sondern an einige Tausend unterschiedliche Götter. Krishna gilt als eine der wichtigsten Gottheiten und Krishna wird auch Kuhfreund genannt. Auch die Göttin Bhumi erscheint zuweilen in Gestalt einer Kuh. Der Glaube an die Reinkarnation, wonach die Wiedergeburt auch im Körper von Tieren erfolgen kann, ist außerdem ausschlaggebend. So gilt die Kuh im Hinduismus als heilig.

Bei dem ostafrikanischen Volk der Tutsi sind die besonders prachtvollen Watussi-Rinder verbreitet. Sie sind bereits vor fünf Jahrtausenden herangezüchtet worden und beeindrucken mit ihrer beachtlichen Körpergröße und vor allem mit ihren Hörnern, die mit einem Umfang von 50 Zentimetern bis zwei Meter lang werden können. Besonders imposant sind die Inyambos, die lediglich zur Zucht eingesetzt werden. Bei einigen Stämmen gelten diese Rinder als heilig. Heilige Kühe gibt es also auch außerhalb des Hinduismus.


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