5.11.2020 I Bereich: Umwelt, Wildtiere

Erlangen, die neue Hauptstadt für Insekten und Bienen

Die Stadt Erlangen hat es sich zum Ziel gemacht, möglichst viele Insektenhotels aufzustellen, um damit Bienen und anderen Insekten neue Nistmöglichkeiten zu bieten. Sogar ein “Grand Hotel” speziell für Bienen soll auf dem Ohmplatz aufgestellt werden.

Schutz für bedrohte Insekten

Viele Insektenarten sind akut vom Aussterben bedroht. Insektenhotels sind kleine Holzgestelle mit Dach und verschieden großen Löchlein, in denen unterschiedliche Insektenarten nisten und überwintern können. Die Aktion der Erlanger Rotarier soll die Stadt zur Hauptstadt der Insektenhotels machen – rund 260 Insektenhotels sind bereits geplant. Die meisten Insektenhotels werden in der Behindertenwerkstatt der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf in Mittelfranken gebaut. Danach werden sie auf öffentlichen Plätzen, an Schulen und Kindertagesstätten aufgebaut.

Da immer mehr Flächen in unseren Städten asphaltiert oder bebaut werden und Gras und andere Pflanzen in unseren fast klinisch sauberen Wohnsiedlungen nicht mehr wild wachsen dürfen, finden Bienen und andere Insektenarten kaum noch Brutstätten. Die hölzernen Hotels leisten daher einen aktiven Beitrag zum Erhalt der städtischen Artenvielfalt.

Verbot von neuen “Gärten des Grauens”

Die Stadt Erlangen hat sich die Artenvielfalt schon früher zur Herzensangelegenheit gemacht. So untersagte Erlangen als erste bayerische Stadt Anfang 2020 den Neubau von Stein- und Kiesgärten. Diese sind schlecht für die Artenvielfalt und das städtische Klima, weshalb sie von Naturschützern als “Gärten des Grauens” bezeichnet werden.

Das weltweite Bienen- und Insektensterben

Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig haben in einer aufwendigen Studie nachgewiesen, dass die Population landlebender Insektenarten weltweit in letzten 30 Jahren um 24 Prozent gesunken ist. Da dies eine Durchschnittsangabe ist, sind die Populationen in manchen Gebieten, insbesondere in Stadtgebieten, noch deutlich stärker zurückgegangen. Die verschiedenen Insektenarten stehen meist am Anfang der Nahrungskette, weshalb das Wohlergehen der anderen Tiere auf der Erde maßgeblich von der Menge der Insekten abhängt.

Da nicht nur Bienen, sondern auch viele andere Insekten Blüten bestäuben, kann dies eine Kettenreaktion auslösen, die am Ende auch uns Menschen direkt betrifft. Die Zahl der Pflanzen könnte infolge des Sterbens der Insekten ebenfalls stark zurückgehen.

Insektenhotels: Eine sinnvolle Maßnahme

Einer der wichtigsten Gründe für den starken Rückgang der Population von Bienen und anderen Insekten sind die Rodung von Wäldern und die zunehmende Bebauung von Flächen. Insektenhotels aufzustellen ist eine wunderbare Möglichkeit, um direkt vor unserer Haustür aktiv etwas gegen das Sterben von Bienen und anderen Insektenarten zu tun. Dabei sind sie kostengünstig und mit wenig Aufwand herzustellen, stören niemanden und haben einen direkten positiven Effekt auf die gesamte Artenvielfalt in unserer Umgebung. Es ist also eine Win-Win-Situation, von der Biene und Mensch gleichermaßen profitieren können.


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