14.07.2020 I Bereich: Wildtiere

Ein Lama? Ein Kamel? Nein – Ein Vikunja

Ein Lama? Ein Alpaka? Ein Kamel? Bei weitem nicht. Vikunjas oder Vicuna ähneln sich zwar ihren Artgenossen wie Lamas, Alpakas oder Guanakos und sind auch alle in den Anden, einer Bergkette in Südamerika, von Ecuador über Perus bis Bolivien und Chile zu finden. Aber sie haben doch alle, trotz ihrer Kamelverwandtschaft ihre Eigenarten, die sie unterschiedlich machen.

Ein Vikunja ist sehr scheu, von schlanker Gestalt, eher wild und kaum zu zähmen. Es wiegt zirka 50 Kilogramm und hat eine Schulterhöhe von 100 Zentimetern. Das Fell ist außergewöhnlich fein. Ihre Wolle ist zarter als Seide und gilt als teuerstes Verarbeitungsmaterial der Bekleidungsindustrie.

Hier nun einige Fakten und Eigenarten der Vikunjas.

1. Vikunjas leben in Herden bis zu 20 Tieren. So eine gesellige Familiengruppe besteht aus einem Männchen, bis zu zehn ausgewachsenen Weibchen und mehrere Jungtieren. Bei diesem Familienverband hat das Männchen das absolute Sagen.

2. Die Herde beansprucht Reviere, die sie mit ihrem Dung markieren. Andere Männchen werden durch den Herdenhengst verteidigt. Die Machtkämpfe finden aber nicht körperlich statt, sondern durch Drohgebärden und bespucken.

 

 

3. Beim Fressen sind Vikunjas sehr wählerisch. Sie verzehren fast nur besondere, von ihnen auserwählte Gräser. Mit ihren oberen, gespaltenen Lippen drücken sie die Gräser gegen den Gaumen und reißen sie so ab. Da die zierlichen Tiere täglich frisches Gras fressen, suchen sie sich ihre Reviere immer in Wassernähe.

 

 

4. Aufgrund ihrer feinen, wärmenden Wolle wurden Vikunjas früher in Südamerika gejagt und galten vom Aussterben bedroht. Die Inka trieben die Vikunjas in Gatter, schoren ihr Fell und ließen sie danach wieder in die Freiheit. Die Spanier hielten nicht an dieser Tradition fest, sondern schossen die Tiere ab oder vergifteten deren Wasserstellen, um Platz für Weideland zu gewinnen. Heute gilt das Vinkunja nicht mehr als bedroht. Der Bestand wird mittlerweile wieder auf mehr als 300.000 Tiere geschätzt.

5. Das sandfarbene Fell gehört immer noch zu den teuersten Wollarten der Welt und wurde früher “das Gold der Anden” genannt. Seidig glänzend übertrifft es sogar die edle Kaschmirwolle. Das Haarkleid wächst sehr langsam und kann nur alle zwei Jahre geschoren werden. Ein Kilo Rohmaterial kostet zirka 500 Euro.

 

 

6. In Peru werden mehr als 50 % der Vikunjas nachhaltig bewirtschaftet. Das bringt einen Wollertrag von über fünf Tonnen ein. Der Verkaufserlös wird auf mehr als zwei Millionen Dollar pro Jahr geschätzt.

7. Wie ihre Kamelverwandtschaft besitzt das Vikunja eine bewegliche, gespaltene Oberlippe. Der Hals ist lang und dünn und die Beine schlank. An den Füßen hat es nur zwei Zehen, die in gebogenen Nägeln enden. Erstaunlich ist, dass die unteren Schneidezähne wie bei Nagetieren ein Leben lang nachwachsen. Das Herz der Vikunjas ist außergewöhnlich groß und auch das Blut weist Eigenschaften auf, die ein Leben bei geringer Sauerstoffmenge in extremer Höhe möglich machen.

 

8. Vikunja Jungtiere müssen der Herde von Anfang an über holprige Gebirgswege folgen, zudem Wind und Wetter trotzen. Sie kommen morgens oder vormittags zur Welt. So können sie von der wärmenden Sonne getrocknet werden, da die Muttertiere ihre Jungen nicht trocken lecken.

9. In Zoos werden Vikunjas eher selten gehalten. Sie sind zwar gut mit anderen Tierarten zu vergesellschaften, aber benötigen wegen ihrer Scheuheit ein riesiges Freigehege.

10. Eine Haustierhaltung von einem Vikunja ist nicht möglich. Die scheuen Tiere benötigen mit ihrem Rudel Unmengen an Platz und würden sich in ihrer Scheuheit nie den Menschen zutraulich nähern. Außerdem ist eine Vikunja in der Haltung genehmigungspflichtig.


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