8.06.2020 I Bereich: Bauernhoftiere

Das Pinzgauer Rind – eine alte Rasse mit ungewisser Zukunft

Pinzgauer Rinder stammen aus dem heutigen Salzburger Bezirk Zell am See. Sie wurden bereits 1846 beschrieben und waren sehr beliebt. Ihr Bestand ist allerdings aufgrund von wirtschaftlichen Aspekten stark zurückgegangen.

Geschichte der Pinzgauer Rinderrasse

Bei den Tieren handelt es sich um eine österreichische Rasse. Ihren Höhepunkt erlebte sie während der königlich-ungarischen Monarchie. Bei der Weltausstellung 1856 in Paris erzielten viele dieser Tiere hohe Auszeichnungen. Daraufhin stieg deren Nachfrage. Die Tiere wurden als Dreinutzungsrasse gehalten. Sie dienten der Milch- und Fleischerzeugung. Für Brauereigespanne und in norddeutschen Zuckerrübenanbaugebieten wurden sie als Zugtiere genutzt. Im Zuge der Industrialisierung ging die Nachfrage zurück. Zugtiere wurden nach und nach von motorbetriebenen Fahrzeugen verdrängt. Die Landwirte bevorzugten zunehmend Kühe mit höherer Milchleistung. Im Jahr 1933 betrug die jährliche Milchleistung einer Kuh 3.400 kg. Wirtschaftlicher Druck führte im späten 20. Jahrhundert zur Kreuzung mit Rinderrassen, die mehr Fleisch- und Milchertrag versprachen. Es gibt eine hornlose Variante, die "Jochberger Hummeln". Diese entwickelten sich aus einem weißen, hornlosen Kalb von 1934. Ohne Hörner waren sie für den Einsatz als Zugtiere jedoch ungeeignet, denn das Joch konnte nicht über den Kopf gezogen werden. Damit waren sie wertlos. Heute gilt diese Art als vom Aussterben bedroht.

Aussehen der Pinzgauer Rinder

Typisch für die gehörnte Rinderrasse mit auffällig langem Rücken ist die kastanienbraune Färbung mit weißen Flächen. Einzelne Rinder weisen eine schwarze oder rote Fellfarbe auf.
Der weiße Streifen zieht sich vom Widerrist über den Rücken bis zum Schwanz und Unterbauch. Teile der Beine haben ebenfalls weiße Flecken. Die Klauen sind dunkel, die Hörner hell mit schwarzen Spitzen. Das Gewicht der Kühe beträgt zwischen 600 und 700 kg, das der Bullen zwischen 1.000 und 1.100 kg. Die Kühe erreichen eine Widerristhöhe von ungefähr 130 cm, die Stiere 140 cm.

Die Rasse der Pinzgauer in der Landwirtschaft

Die Rinderrasse wird heute als Zweinutzungstier für die Milch- und Fleischerzeugung gehalten. Das Zuchtziel ist eine jährliche Milchleistung von 5.500 kg. Als Schlachtausbeute in der Fleischerzeugung werden 58 % angestrebt. Als guter Futterverwerter muss für die Tiere kaum Futter zugekauft werden, was die Wirtschaftlichkeit erhöht. Sie werden oft in der Mutterkuhhaltung eingesetzt. Dafür sind die Kühe besonders gut geeignet, da sie sich durch einen ausgeprägten Mutterinstinkt sowie ein ruhiges Temperament auszeichnen. Mit guter Trittfestigkeit, Unempfindlichkeit gegen kühles Wetter und starker Pigmentierung um die Augen sind sie hervorragend an die Bedingungen der Almwirtschaft angepasst.

Im Jahr 2016 waren in Österreich durch vermehrtes Interesse an alten Rinderrassen wieder 37.790 der Tiere registriert. Aktuell werden sie in 25 Staaten auf vier Kontinenten gezüchtet. Sie sind auch Teil der Tiere des Nationalparks Hohe Tauern.

Einige Fotos der Pinzgauer Rinderrasse