2.12.2020 I Bereich: Bauernhoftiere, Ernährung

Überblick Initiativen und Siegel zur Aufzucht männlicher Küken

Jedes Jahr werden circa 45 Millionen männliche Küken aus der Legehennenzucht geschlachtet. Sie eignen sich nicht zum Eierlegen und auch nicht zur Mast, da sie zu wenig Fleisch ansetzen. Für die Agrarindustrie sind diese Tiere daher relativ nutzlos.
Das Schicksal der männlichen Küken ist Thematik in der Landwirtschaft. Um dem enormen Massensterben entgegenzuwirken, haben sich verschiedene Initiativen und Siegel entwickelt, die Lösungen für einen alternativen Einsatz der Hahnenküken suchen. Hierbei wird an zwei verschiedenen Ansätzen gearbeitet. Zum einen wird versucht, aufzuzeigen, dass die Legehennenzucht auch ohne Kükensterben möglich ist. Andere Projekte gehen der Alternative des „Zweitnutzungshuhns“ nach. Beide Ideen sollen im Folgenden vorgestellt werden.

1. Aufzucht der männlichen Küken

Männliche Küken werden bei diesen Initiativen mitaufgezogen. Finanziert wird das durch den Aufpreis der Eier.

Bruderhahn Initiative Deutschland
Idee der Bruderhahn-Siegel ist es, die männlichen Küken bei der Legehennenzucht mit aufzuziehen. Da dies Kosten für Fütterung verursacht, werden die Eier von Mitglieder-Biohöfen dieser Initiative mit einem Zuschag von 4 Cent versehen. Die Bruderhähne werden nach Vorgaben von Demeter und Bioland aufgezogen, um eine ökologische und ethisch vertretbare Landwirtschaft zu erzielen.

 

Haehnlein Initiative
Ziel der Haehnlein-Siegel ist es, die Bruderküken der Legehennen unter ökologischen Bedingungen mit aufzuziehen. Alle Küken wachsen zunächst zusammen im Stall auf. Die männlichen Tiere werden anschließend nach circa 4-5 Monaten geschlachtet. Auch hier werden die Kosten für den Mehraufwand der Aufzucht durch einen Zuschlag auf den Eierpreis gedeckt.

 

Spitz & Bube
Bei Spitz & Bube handelt es sich um ein Siegel der Rewe-Gruppe. Das Tierwohl wird hier nicht durch eine Biohaltung erreicht, sondern es wurden Änderungen in der konventionellen Haltung von Gefügel vorgenommen. Die Schnäbel der Tier werden nicht mehr gekürzt (daher „Spitz“), wie es in großen Betrieben sonst üblich ist. Küken beiderlei Geschlechts werden zusammen aufgezogen („Bube“), und erhalten gentechnikfreies Futter. Während die Legehennen anschließend unter Freilandbedingungen leben, werden die Hähne konventionell aufgezogen, allerdings mit mehr Platz im Stall und mit Beschäftigungsmöglichkeiten.

 

Alnatura Bruderküken Initiative
Die Bruderküken Initiative entstammt der Biokette Alnatura. Die Eier von Alnatura sind ausnahmslos von Biobetrieben, in denen auch die männlichen Küken aufgezogen werden. Die Bruderküken dienen teilweise zur Fleischproduktion und werden für Alnatura-Produkte verwendet.

 

Huhn und Hahn Initiative
Auch das Siegel der Huhn und Hahn Initiative ermöglicht eine Aufzucht der männlichen Küken mitsamt ihren weiblichen Geschwistern. Die Hähne erhalten anschließend einen eigenen Stall, werden circa 3-4 Monate groß gezogen und danach geschlachtet. Die Kosten für die Aufzucht der Hahnenküken wird durch höhere Preise der Eier gedeckt.

 

Nachfolgend einige Bilder von “Bruder-Küken”

2. Zweitnutzungshuhn

Hinter der Idee des Zweitnutzungshuhns steht der Gedanke, Rassen zu züchten, die sich zum Eierlegen und gleichzeitig zur Mast eignen. Normalerweise werden entweder Hochleistungs-Legehennen gezüchtet oder aber Masthähnchen mit hohem Fleischanteil. Eine Rasse, die Eier legt und auch als Masthähnchen dient, würde die Aufzucht von Hahnenküken für viele Landwirte interessanter machen.

„Das Zweitnutzungshuhn“ – Initiative
Diese Initiative setzt sich für die Zucht der Hühnerrasse „Les Bleues“ unter Öko-Richtlinien ein.

ei Care – Initiative
Das Siegel des ei care richtet sich ebenfalls auf die Zucht der Les Bleues- Hühner und umfasst Höfe in Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern.

Brudertiere Initiative
Das Siegel der Brudertiere Initiative steht für antibiotikafreie Zucht im Bereich des Bio-Mastgeflügels sowie für die Aufzucht der Legehennen und ihrer Bruderküken. Auf den Mitgliederhöfen wird versucht, ein Zweitnutzungshuhn zu züchten, welches sich für die Legehennen-Zucht und auch zur Hähnchenmast eignet. Die Kosten für diese Zucht sollen durch 4 Cent teurere Eier gedeckt werden. Das Siegel der Brudertiere Initiative zeichnet sich weiterhin durch bessere Schlachtbedingungen aus.


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