17.09.2018 I Bereich: Haustiere

Kinder, Hasen und das Tierheim

Neulich war ich auf der Suche nach einer kleinen, floralen Aufmerksamkeit für eine Freundin und besuchte dazu unser Gartencenter, welches neben vielen Pflanzen auch über Tierbedarf- und Nahrung verfügt. Leider nicht nur das – auch lebende Fische, Vögel und Hasen gibt es dort zu kaufen. Der eigentliche Witz an der ganzen Sache, das Tierheim, in dem ebenfalls genügend Hasen und Vögel auf ein neues Zuhause warten, befindet sich in unmittelbarer Nähe.

Die Tierabteilung ist gleich am Eingang, wer demnach zu den Pflanzen und Blumen möchte, kommt direkt daran vorbei. Ich kam beim letzten Einkauf nicht umher, laute Kinderstimmen, Lachen und Gequiecke aus der Tierabteilung zu hören. Ich näherte mich unauffällig und beobachtete die Situation. Ein paar Kinder mit zwei erwachsenen Frauen standen freudig um den Hasenstall mit Glaswänden herum. Die Kinder waren begeistert, selbstverständlich. Und natürlich ist nichts Abwegiges dabei, wenn kleine Kinder Häschen süß finden und gerne mit ihnen spielen möchten. Schade fand ich, dass die Erwachsenen, die es eigentlich besser wissen müssten, die Kleinen dabei auch noch motivierten und meinten, sie würden eine Verkäuferin holen, damit die einmal einen Hasen zum Streicheln heraus nehmen würde. Schlimm genug, dass die Hasen ein tristes Dasein ohne Tageslicht in einem Glaskäfig verbringen müssen, bis sie gekauft werden. Doch kann es Ihnen auch noch passieren, dass sie von allen möglichen, fremden Menschen zur Unterhaltung und zum Streicheln „heraus geholt“ werden. Ein Gartencenter ist kein Streichelzoo oder Entertainmentcenter für Erwachsene, die ihre Kinder beschäftigen möchten.

Ich näherte mich langsam dem Hasenstall und ging in die Hocke, um mich mit den Kindern zu unterhalten. „Süß die Häschen, nicht wahr?“ – Eindeutige Reaktion der Kleinen. Ich erzählte ihnen, auch mit Blick zu den zwei Frauen, dass die Hasen eigentlich sehr traurig und gelangweilt sind und dass es hier kein guter Platz für sie ist. Ich fragte sie, ob sie gerne einen Hasen hätten. Wiederum eindeutige Reaktion der Kids. Ich erzählte ihnen, dass es ganz viele Hasen im Tierheim gibt, die keiner mehr haben will und/oder die ihre Familie verloren haben. Die Kinder waren ganz Ohr, als ich sie fragte, ob sie nicht lieber so einen Hasen haben möchten. Berechtigter Einwand einer jungen Dame, was dann mit diesen Hasen hier wäre, wenn es ihnen auch nicht gut geht. Ich versuchte ihnen zu erklären, dass diese Hasen verkauft werden, damit jemand Geld verdienen kann. Doch wenn niemand mehr einen Hasen oder ein anderes Tier in einer Zoohandlung bzw. auch in diesem Gartencenter kaufen würde, würde niemand mehr Geld verdienen und es wäre auch nicht mehr interessant, Tiere zum Verkaufen anzubieten. Besser wäre es, einen Hasen bzw. ein Tier aus dem Tierheim zu holen, hier will niemand Geld verdienen. Auch wenn ich zuerst meine Zweifel hatte, ob die Kleinen das verstehen würden, doch sie verstanden gut und schnell. Umgehende Reaktion: „Mami, können wir ins Tierheim gehen?“ Mami und wohl Freundin von Mami standen immer noch mit gerunzelter Stirn da und waren wohl offensichtlich gar nicht so begeistert, dass ich ihre Beschäftigungstherapie unterbrochen hatte. Denn so wie es schien, war die ernste Absicht einen Hasen in die Familie aufzunehmen, nicht allzu groß.

Ich sagte den Damen noch, dass sie vor dem Besuch im Tierheim auf jeden Fall anrufen oder sich nach den Öffnungszeiten erkundigen sollen, habe aber berechtigte Zweifel, dass sie jemals dort hin gegangen sind.

Nochmal: Tiere sind keine Unterhaltungsinstrumente, wenn sie in nicht artgerechter Haltung leben müssen. Und wenn schon ein Tier, dann bitte nicht in einer Zoohandlung oder Ähnlich kaufen, sondern einfach einmal beim nächsten Tierheim vorbei schauen. Dort warten überall genügend Fellnasen auf ein neues Zuhause und eine liebevolle Familie.